Tauben als Schädlinge – Gesundheitsrisiken, Schäden und wirksame Lösungen
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Tauben gehören zum Stadtbild – sie sitzen auf Dächern, Fensterbänken und Plätzen und werden von vielen Menschen als harmlose Stadtvögel wahrgenommen. Doch wer Tauben auf dem eigenen Gebäude duldet, unterschätzt das Problem. Taubenbefall verursacht erhebliche bauliche Schäden, birgt ernsthafte Gesundheitsrisiken und ist ohne professionelle Maßnahmen kaum dauerhaft zu lösen. Dieser Ratgeber erklärt, warum Taubenbefall kein Kavaliersdelikt ist – und was wirklich dagegen hilft.
Warum Tauben zum Problem werden
Die Stadttaube – ein Nachfahre der Felsentaube – hat sich perfekt an urbane Umgebungen angepasst. Gebäude ersetzen für sie natürliche Felsen, Abwärme und Abfälle bieten ganzjährig Wärme und Nahrung, natürliche Feinde fehlen weitgehend. Das Ergebnis ist eine Populationsdichte, die in vielen deutschen Städten weit über dem ökologisch verträglichen Maß liegt.
Tauben sind keine Einzelgänger – wo eine Taube nistet, folgen andere. Ein einziges Paar, das sich auf einem Dach oder Sims einrichtet, kann innerhalb weniger Monate zur Kolonie werden. Tauben sind standorttreu und kehren – wenn keine aktiven Gegenmaßnahmen ergriffen werden – immer wieder an denselben Nistplatz zurück.
Gesundheitsrisiken: Was Taubenkot wirklich bedeutet
Der offensichtlichste Aspekt des Taubenproblems ist der Kot – und der ist weitaus gefährlicher als sein schmutziges Erscheinungsbild vermuten lässt.
Krankheitserreger im Taubenkot
Taubenkot enthält eine Vielzahl von Krankheitserregern, die für Menschen gefährlich sein können – besonders wenn er eintrocknet und als Staub eingeatmet wird.
Kryptokokkose: Der Pilz Cryptococcus neoformans gedeiht besonders gut in altem Taubenkot. Bei gesunden Menschen verläuft eine Infektion meist symptomlos – bei immungeschwächten Personen, HIV-Patienten und Menschen nach Organtransplantationen kann Kryptokokkose jedoch lebensbedrohliche Hirnhaut- und Lungenentzündungen verursachen.
Histoplasmose: Histoplasma capsulatum ist ein weiterer Pilz, der in Taubenkot und Vogelkot gedeiht. Eine Infektion erfolgt durch das Einatmen von Pilzsporen aus getrocknetem, aufgewirbeltem Kot – und kann Lungenentzündungen verursachen, die bei immungeschwächten Personen schwer verlaufen.
Salmonellose: Tauben tragen Salmonellen und scheiden sie über den Kot aus. Kontaminierte Oberflächen – Fensterbänke, Balkone, Eingangsbereiche – können zur Infektionsquelle werden, wenn Menschen diese Bereiche berühren und anschließend mit dem Mund in Kontakt kommen.
Ornithose – Psittakose: Die sogenannte Papageienkrankheit – verursacht durch Chlamydophila psittaci – kommt auch bei Tauben vor und kann auf Menschen übertragen werden. Sie verursacht grippeähnliche Symptome bis hin zu schwerer Lungenentzündung.
Ektoparasiten: Tauben tragen Milben, Flöhe und Zecken, die nach dem Tod der Vögel oder beim Verlassen der Nester in Gebäude eindringen und Menschen befallen können. Taubenmilben – kleine, kaum sichtbare Spinnentiere – können erhebliche Hautreizungen und allergische Reaktionen verursachen.
Besonders gefährdete Personengruppen
Immungeschwächte Personen, ältere Menschen, Kinder und Schwangere sind durch die von Tauben übertragenen Erreger besonders gefährdet. In Gebäuden mit solchen Bewohnern – Pflegeheime, Krankenhäuser, Kindertagesstätten – ist Taubenbefall deshalb ein besonders dringliches Problem.
Bauliche Schäden durch Tauben
Neben den Gesundheitsrisiken verursachen Tauben erhebliche bauliche Schäden – oft unbemerkt, über lange Zeiträume.
Taubenkot als Baumaterial-Zerstörer: Taubenkot ist hochgradig ätzend. Die im Kot enthaltene Harnsäure greift Beton, Naturstein, Metall, Dachziegel und Fassadenputz an. Was zunächst wie eine unästhetische Verschmutzung aussieht, ist auf Dauer ein chemischer Angriff auf die Bausubstanz – Oberflächenerosion, Rissbildung und Materialverlust sind die Folge.
Verstopfte Abflüsse und Dachrinnen: Taubennester aus Zweigen, Federn und organischem Material verstopfen Dachrinnen und Dachabläufe. Staunasse Bereiche entstehen, Feuchtigkeit dringt ins Mauerwerk – mit allen damit verbundenen Folgeschäden.
Schäden an Dämmmaterialien: Tauben nisten gerne in Dämmmaterialien unter Dachziegeln oder hinter Fassadenverkleidungen. Sie zerstören dabei die Dämmwirkung und hinterlassen feuchte, mit Kot durchsetzte Nistbereiche, die Schimmel und weitere Schädlinge begünstigen.
Schäden an technischen Anlagen: Taubenkot und Nistmaterial auf Klimaanlagen, Lüftungsaggregaten und Solaranlagen beeinträchtigen deren Funktion und können zu Kurzschlüssen und Ausfällen führen.
Wertminderung der Immobilie: Ein sichtbar durch Tauben verschmutztes Gebäude verliert an Attraktivität und Wert – sowohl für potenzielle Käufer als auch für Mieter.
Warum Tauben so schwer loszuwerden sind
Tauben sind intelligent, anpassungsfähig und standorttreu – eine Kombination, die die Bekämpfung erschwert.
Standorttreue: Tauben kehren immer wieder an denselben Nistplatz zurück – auch nach Vertreibungsmaßnahmen. Ohne dauerhafte bauliche Absicherung ist jede Vergrämung nur vorübergehend wirksam.
Soziales Lernen: Tauben lernen voneinander. Was eine Taube als sicheren Nistplatz identifiziert hat, wird von der gesamten Gruppe übernommen. Maßnahmen, die einzelne Tiere abschrecken, werden von der Gruppe schnell als harmlos erkannt.
Hohe Reproduktionsrate: Ein Taubenpaar kann bis zu sechs Mal im Jahr brüten – mit jeweils zwei Jungtieren. Eine Kolonie kann sich ohne Gegenmaßnahmen schnell verdoppeln.
Gewöhnung an Vergrämungsmittel: Akustische und optische Abschreckungsmittel – Ultraschallgeräte, Greifvogelattrappen – verlieren ihre Wirkung nach kurzer Zeit, wenn die Tauben feststellen, dass von ihnen keine echte Bedrohung ausgeht.
Was nicht funktioniert: Typische Fehler bei der Taubenabwehr
Fütterungsverbote ignorieren: Das Füttern von Tauben zieht weitere Tiere an und verstärkt den Befall erheblich. Wo regelmäßig gefüttert wird, entstehen Kolonien. Das Füttern von Tauben ist in vielen deutschen Städten verboten – mit gutem Grund.
Attrappen ohne Wechsel: Greifvogelattrappen und Eulenmodelle wirken initial abschreckend – aber Tauben erkennen schnell, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht. Ohne regelmäßigen Positionswechsel verlieren sie jede Wirkung innerhalb weniger Tage.
Ultraschallgeräte: Wissenschaftlich ist die Wirksamkeit von Ultraschallgeräten gegen Tauben nicht belegt. Sie mögen einzelne Tiere kurzfristig stören – eine etablierte Kolonie beeindrucken sie nicht.
Nester einfach entfernen: Das Entfernen von Taubennestern ohne gleichzeitige bauliche Sicherung des Nistplatzes ist wirkungslos – die Tauben bauen das Nest unmittelbar wieder auf.
Vergiftung: Das Vergiften von Tauben ist in Deutschland verboten und strafbar. Abgesehen von der rechtlichen Problematik ist es auch praktisch wirkungslos – die Population erholt sich schnell, und tote Tauben stellen zusätzliche Gesundheitsrisiken dar.
Was wirklich hilft: Professionelle Taubenabwehr
Nachhaltige Taubenabwehr setzt an zwei Punkten an: der Vergrämung der vorhandenen Tauben und der dauerhaften baulichen Absicherung der Nistplätze. Nur die Kombination beider Ansätze ist langfristig wirksam.
Vogelabwehrspikes
Metallspikes – auch Taubenspikes oder Vogelabwehrspikes genannt – werden auf Fensterbänken, Gesimsen, Dachkanten und anderen bevorzugten Landeplätzen befestigt. Sie machen das Landen und Nisten physisch unmöglich, ohne die Tiere zu verletzen.
Wirksamkeit: Hoch, wenn sie korrekt und lückenlos installiert werden. Lücken oder zu weite Abstände werden von Tauben sofort genutzt. Professionelle Installation ist entscheidend.
Vogelschutznetze
Netze aus UV-beständigem Kunststoff verschließen ganze Gebäudebereiche – Innenhöfe, Balkone, Dachbereiche – vollständig für Tauben. Sie sind nahezu unsichtbar, dauerhaft und eines der wirksamsten Systeme gegen Taubenbefall.
Wirksamkeit: Sehr hoch bei korrekter Montage. Lückenlose Befestigung ist entscheidend – Tauben finden jede Öffnung.
Elektrische Abwehrsysteme
Elektrische Abwehrsysteme – dünne, auf Gesimsen und Fensterbänken montierte Drähte, die bei Landung einen leichten Stromimpuls abgeben – schrecken Tauben zuverlässig ab, ohne sie zu verletzen.
Wirksamkeit: Hoch und dauerhaft. Tauben gewöhnen sich nicht an den Stromimpuls. Professionelle Installation durch einen Fachmann ist notwendig.
Vogelabwehrgel
Transparente Gele auf Basis von Polyisobutylen werden auf Landeplätzen aufgetragen und erzeugen eine klebrige, für Tauben unangenehme Oberfläche. Die Tiere meiden behandelte Bereiche.
Wirksamkeit: Mittelhoch – bei Temperaturschwankungen und Verschmutzung nimmt die Wirkung ab. Regelmäßige Erneuerung ist notwendig.
Bestandsreduktion durch Falknerei
In einigen Städten und bei größeren Anlagen wird Falknerei als Vergrämungsmaßnahme eingesetzt – Greifvögel patrouillieren regelmäßig über dem Gebäude und vertreiben Tauben durch ihre natürliche Präsenz. Diese Methode ist aufwendig und kostspielig, aber bei hartnäckigen Kolonien sehr wirksam.
Reinigung kontaminierter Bereiche: Was zu beachten ist
Bevor Abwehrsysteme installiert werden können, müssen kontaminierte Bereiche gereinigt werden – fachgerecht und sicher. Taubenkot darf nicht trocken entfernt werden – aufgewirbelter Staub enthält Pilzsporen und Erreger, die eingeatmet werden können.
Schutzausrüstung: FFP3-Atemschutzmaske, Schutzanzug, Handschuhe und Schutzbrille sind beim Entfernen größerer Kotmengen Pflicht.
Befeuchtung vor der Reinigung: Der Kot sollte vor der Entfernung mit Wasser oder einem Desinfektionsmittel befeuchtet werden, um das Aufwirbeln von Staub zu verhindern.
Professionelle Reinigung: Bei größeren Mengen ist eine professionelle Reinigung durch einen Fachbetrieb dringend empfehlenswert. Der Aufwand ist erheblich – und das gesundheitliche Risiko bei unsachgemäßer Eigenreinigung real.
Wann ein Kammerjäger oder Schädlingsbekämpfer eingeschaltet werden sollte
Bei Taubenbefall am eigenen Gebäude ist ein professioneller Schädlingsbekämpfer oder Taubenabwehrspezialist in folgenden Situationen die richtige Wahl:
Bei einer etablierten Kolonie mit mehr als wenigen Tieren. Bei Kotmengen, die eine professionelle Reinigung erfordern. Bei Nistplätzen in schwer zugänglichen Bereichen wie Dachböden oder Lüftungsschächten. Bei Bedarf an dauerhaften baulichen Abwehrsystemen, die professionell installiert werden müssen. Sowie bei gesundheitlichen Risiken durch Taubenmilben oder andere Ektoparasiten, die eine separate Behandlung erfordern.
Ein erfahrener Fachmann beurteilt die Situation, empfiehlt das geeignete Abwehrsystem und sorgt für eine fachgerechte Reinigung – als Grundlage für eine dauerhafte Lösung.
Rechtliche Aspekte: Was erlaubt ist und was nicht
Das Töten von Tauben ist in Deutschland verboten. Das Entfernen von Nestern mit Eiern ist ebenfalls nicht ohne Weiteres erlaubt – Tauben sind als Wildvögel nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Erlaubt sind hingegen alle Maßnahmen, die Tauben physisch vom Nisten abhalten – Spikes, Netze, elektrische Systeme – sowie die Entfernung leerer Nester außerhalb der Brutzeit.
Wer unsicher ist, sollte sich vor Beginn von Maßnahmen bei der zuständigen Naturschutzbehörde oder einem Fachbetrieb informieren.
Fazit
Tauben sind keine harmlosen Stadtvögel – sie sind Schädlinge, die ernsthafte Gesundheitsrisiken, erhebliche bauliche Schäden und hohe Reinigungskosten verursachen. Wer Taubenbefall am eigenen Gebäude ignoriert oder mit wirkungslosen Hausmitteln bekämpft, zahlt am Ende mehr als bei frühzeitigem, professionellem Handeln. Nachhaltige Taubenabwehr kombiniert fachgerechte Reinigung mit dauerhaften baulichen Schutzmaßnahmen – und ein erfahrener Fachmann ist dabei der wichtigste Partner.
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